Chugokugo.de Blog über Leben, Kultur und Sprache rund um China und Japan

Erfolgreich Chinesisch lernen am PC

Flyjin フライ人

April 8th, 2011

Ein neuer “Modebegriff” verbreitet sich auf der Welt und wird zum Gesprächsstoff in Japan “Flyjin”. Gemeint sind damit (vorwiegend) Ausländer, die Japan unmittelbar nach der Katastrophe teilweise panikartig verließen. Darüber berichten ausländische (z. B. die NYT) wie japanische Medien.

Auch Organisationen wie das deutsche THW-Bergungsteam, welches mit der Begründung “hier kann man nichts mehr machen” bereits früh ausreiste und danach dann aber von anderen Hilfsorganisationen noch Überlebende gefunden worden (!), machten keine gute Figur.

Ausländer haben also keinen besonders guten Eindruck in Japan abgegeben. Viele Japaner haben Verständnis für die Ausreise, aber in solchen Momenten zeigt sich tatsächlich, wer wirklich zu Japan steht und wer schnell das Weite sucht, wenn es mal nicht so gut läuft. In dieser Zeit zeigt sich wahre Freundschaft (oder doch eher Abhängigkeit?).
Aus Ausländersicht kommen jedoch neben den gesundheitlichen Risiken noch ganz andere Faktoren ins Spiel, dabei steht die Familie in der Heimat – die vor Sorge beinahe umkommt – sicherlich ganz oben auf der Liste. Der Druck aus der Heimat ist oftmals kaum auszuhalten, was für viele Ausländer der Hauptgrund zur Ausreise gewesen sein dürfte.

Japaner haben teilweise Verständnis, teilweise sehen sie aber auch fast schon einen Verrat in diesem Verhalten. Ich erlaube mir mal, eine Japanerin in einem internationalen Forum zu zitieren:

I don’t have any respect for the people who left the country so fast (before checking all the facts). Especially the business leaders. That includes japanese btw.

Es ist schwer die Lage zu beurteilen und zu sagen, was nun gerechtfertigt sei und was nicht. Fakt ist, radioaktive Strahlen sind ein Gesundheitsrisiko und nicht spürbar. Erdbeben scheinen kein Ende zu nehmen, nur vor Tsunamis kann man sich als Ausländer recht gut schützen (indem man sich von der Küste fern hält!). Ein Video von zwei mutigen japanischen Journalisten, welches die Zerstörung der Region im Sperrgebiet um das Atomkraftwerk 福島第一 zeigt, bietet eine beängstigende Atmosphäre und herrenlose Haus- und Nutztiere: weiterlesen »

Japan und die neue unbekannte Katastrophe 2011

April 4th, 2011

Japan hatte gleich drei Katastrophen nacheinander erlebt. Erst das starke Beben, einige Minuten später die Tsunami und dann die Atomkatastrophe. Über die Auswirkungen des Erdbebens (+ den vielen Nachbeben) ist man sich einig: Japan hat die Erdbeben sehr gut überstanden. Wo in anderen Nationen die Häuser bei einem Erdbeben von 9,0 schon längst in Schutt und Asche liegen würden, hat Japan überlegte Konstruktion bewiesen. Auch die Auswirkungen der Tsunami sind mittlerweile sehr gut einschätzbar, aber lassen sich nur mit einem Adjektiv beschreiben: Verheerend! weiterlesen »

Die Sonne geht unter, im Land der aufgehenden Sonne

March 28th, 2011

Japan ist gebeutelt, mehr als ich mir vor ziemlich genau einem Jahr – als ich japanischen Boden betrat – hätte ausmalen können. Auch damals schon kamen mir Sprüche wie “Das nächste große Beben kommt bestimmt, wir sind überfällig!” entgegen und ja, ich hatte davon gelesen. Was im März passiert ist, ist aber nochmal eine ganz andere Geschichte.

In Tokyo 東京 schwankten die Häuser und kippten Regale um, Parks wurden geschloseen und einige Gebäude – wie der Tokyo Tower – sollen merkliche Schäden davongetragen haben. Das ist aber gar nichts, im Vergleich zu dem, was an der Küstenregion von Sendai 仙台 und Fukushima 福島 passiert ist. Das Beben, welches sein Epi-Zentrum einige Kilometer entfernt im pazifischen Ozean hatte, mag beinahe ganz Japan erschüttert haben (angeblich soll es ja sogar noch in Shanghai 上海 ganz minimal spürbar gewesen sein), die richtige Katastrophe kam dann aber direkt aus dem Ozean: die Tsunami 津波

Die gesamte Ostküste von Tōhoku (東北, nördlichste Region der Hauptinsel Japans) ist betroffen, hat Menschen, Tiere, Häuser und Infrastruktur weggespült und sehr viel Tod und Leid über die Betroffenen gebracht. Nur scheint dies die westlichen Medien gar nicht mehr so zu interessieren, denn diese Naturkatastrophe wird (zumindest für deutsche Medien) von einer ganz anderen Katastrophe aus dem Atomkraftwerk Fukushima Nummer 1 福島第一 in den Schatten gestellt. weiterlesen »

Die Katastrophe – Erdbeben, Tsunami und Kernschmelze

March 13th, 2011

Freitag 11. März 2011 - ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird – zwischen 14:00 und 15:00 Uhr Ortszeit in Japan fing es an, ein sehr starkes Erdbeben.

Ich hatte gerade einen Termin mit einem Prof. an der Hochschule, als ich kurz darauf erstmals über Facebook von meinen früheren Kollegen und Freunden in Japan davon erfuhr. Erschien mir aber beim ersten Eindruck als ein starkes, jedoch nicht besonders schlimmes Erdbeben, was sich schnell als falsch herausstellte, nachdem ich die Videos über die wackelnden Hochhäuser in Shinjuku 新宿 sah.

Mir stellte sich die Frage, ob das nun das große Erdbeben gewesen ist, vor dem Japan so lange gezittert hatte? Experten meinen, dass es das noch nicht gewesen ist, denn das Epizentrum ist zu weit von der Kanto-Region (in der Tokyo liegt) entfernt. Noch im September 2010 habe ich selbst eine Übung für eine Evakuierung des Werksgeländes erleben dürfen.

Die nächste Horror-Meldung ließ nicht lange auf sich warten: Tsunamis fraßen sich teilweise bis hinter die Hafenregionen hinein. Tokyo 東京 ist noch sehr gut davon gekommen, da fast gar nicht von Tsunami-Wellen betroffen (dank der Bucht), Sendai 仙台 hingegen scheint zu einem Großteil zerstört zu sein und ganze Dörfer in der nordöstlichen Küstenregion sind platt, mit allen Häusern, Autos, Menschen und Tieren. Glücklicherweise konnte (im Gegensatz zum Erdbeben) früh vor Tsunamis gewarnt werden.

Nicht viel später das nächste Desaster: Zwei japanische Kernkraftwerke der Region Fukushima 福島 machen Probleme. Die Kernschmelze wurde bis zum Samstag noch überwiegend abgestritten, jetzt (Sonntag) scheint sie sicher zu sein, und das nicht mal nur in einem Reaktor, sondern gleich in mehreren.

 

Besonders die Zerstörung in Sendai macht mir etwas zu schaffen, ich war in Sendai und dem benachbarten Matsushima für ein paar Tage, bin dort am Strand entlang spaziert und bin sogar im Meer geschwommen, welches sich nun gegen die Stadt gerichtet zu haben scheint.

Es bleibt abzuwarten, wie es weiter geht. Es gibt noch mehr Warnungen für Erdbeben, Tsunamis und nukleare Probleme in Japan. Wir stehen bereits bei 10 000 Toten, noch vielen Vermissten und haben eine ungewisse Lage bei den Atomkraftwerken… Die japanischen Medien liefern hier nur ungenaue und teils widersprüchliche Informationen.

Erdbeben – Chin.: 地震 dìzhèn ; Jap.: 地震 じしん
Tsunami – Chin.: 海嘯 [海啸] hǎixiào; Jap.: 津波 つなみ
Kernschmelze – Chin.: 堆芯熔毁 [堆芯熔毁] duīxìnrónghu; Jap.: 炉心溶融 ろしんようゆう

Work & Travel – Japan – China – Machbar und sinnvoll?

February 23rd, 2011

Work & Travel ist ein Konzept für Urlaub in Kombination mit Arbeitserfahrung im Ausland. In diesem Artikel wird auf Work & Travel in Japan und China eingegangen.

Work & Travel in Japan

Work & Travel! Das klingt doch fantastisch! Man braucht kein großes Startkapital, sondern kann gleich mit dem Urlaub beginnen! Oder doch nicht? Was meint das „Work“ in „Work & Travel“?
Es ist Auslegungssache. Es gibt Reisende, die mehr Work als Travel haben, genauso wie umgekehrt.
Es gibt in der Tat viele Länder, für welche sich Work & Travel (bzw. Working Holiday) ausgezeichnet eignet, beispielsweise in der „Hire and Fire“-Nation USA oder in einigen lateinamerikanischen Ländern. Aber in Japan?
Im Gegensatz zur VR China ist Work & Travel in Japan möglich. Es gibt ein entsprechendes Visum, welches die Aufnahme einer bezahlten Arbeit ermöglicht, und zwar für maximal ein Jahr.

Japan ist eine Arbeitsnation mit strengen Regeln

Die Probleme in Japan mit Work & Travel sind eher praktischer Natur. Wer in Japan lebt und arbeitet, geschweige denn sich selbstständig macht (was im Rahmen von Work & Travel selbstverständlich nicht geht), wird schnell erfahren, dass Japan kaum weniger bürokratisch als Deutschland ist. Einige Jobs (in der Unterhaltungsbranche u.a.) dürfen nach Art und Umfang im Rahmen des Visums für Working Holiday auch gar nicht ausgeführt werden, hier muss man sich gut informieren! weiterlesen »

Warum Japanisch bei Twitter erfolgreich ist!

February 15th, 2011

Japanisch ist nach Englisch bei Twitter die meistgenutze Sprache! Das ist nicht selbstverständlich, denn gibt es doch etliche Sprachen, die mehr Sprecher haben als Japanisch, allen voran z. B. Spanisch oder Chinesisch. Allerdings ist Japan – oder besser: die japanische Gesellschaft – ein guter Trendfolger und zieht schnell mit bei neuen Technologien und Trends. Viele westliche Unternehmen testen ihre neuen Produkte erst in Japan, denn in Japan ist die Akzeptanz für Neues vergleichsweise hoch. Japaner mögen es bund und (mal ehrlich) auch gerne etwas oberflächlich.

Allerdings gibt es noch einen weiteren Grund, warum Twitter in Japan noch beliebter zu sein scheint als in Europa: Eine Nachricht bei Twitter darf maximal 140 Zeichen lang sein (eine SMS erlaubt immerhin 160 Zeichen!). Mit den europäischen Alphabeten kann man über 140 Zeichen (= 140 Buchstaben) wirklich nicht viel Inhalt übermitteln. Japanisch ist aber eine Zeichenschrift (Kanji 漢字) und Silbenschrift (Kana 仮名). Japanisch kann zwar auch mit lateinischen Buchstaben geschrieben werden (Romaji), dies ist aber nicht üblich und missverständlich, im japanischen Alltag daher beinahe nutzlos.

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Tokyo Tower 東京タワー

February 11th, 2011

Er ist noch das Wahrzeichen Tokyos und hat noch den höchsten (im wahrsten Sinne des Wortes) Besucheransturm in Tokyo: Der Tokyo Tower 東京タワー

Er wurde errichtet als ein Symbol des wirtschaftlichen Aufstieg Japans, angelehnt an den französischen Eifelturm. Der Tokyo Tower ist zwar noch einen Pippiklacks höher als der Eifelturm, wirkt jedoch nicht ganz so groß im Verhältnis aus Breite und Höhe, sondern eher schmal und zierlich. Auch der Farbanstrich kommt nicht an den klassischen Look des Eifelturms heran. Der Tokyo Tower in Japan sollte aber auch nicht einfach nur eine Kopie des Eiffelturms werden, sondern hatte seine Form aus Gründen der Erdbebensicherheit. Zum Zeitpunkt der Erbauung 1959 waren die Hochbau-Konstruktionen in Japan, wegen der Angst vor Erdbeben und dem damaligen Stand der Technik, noch sehr viel vorsichtiger gestaltet.

Tokyo Tower in Japan

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