Manga / Manhua 漫画, Anime アニメ 动画
Benny December 30th, 2008
Wir Deutsche der mittleren und jüngeren Generation sind quasi mit Japanern groß geworden. Wer hat nicht im Kinderzimmer über das Fernsehen mit Mila Superstar, den Kickers oder … naja, auch den Pokemon mitgefiebert?
Diese Zeichentrickfilme sind im deutschen (und englischen) Volksmund als sogenannte “Manga” geläufig. Die Bezeichnung ist meistens falsch, denn der Begriff steht eigentlich nur für nicht bewegte Zeichnungen (Comic).
Manga ist Japanisch und wird mit den chinesischen Zeichen (in Japan: Kanji) 漫画 (まんが) geschrieben. Als Manga werden japanische Comics bezeichnet. Chinesische Comics heißen Manhua und werden in der VR China und Singapur genauso geschrieben 漫画 (màn huà).
画 (jap.: ga, chin.: huà) bedeutet einfach “Bild”, 漫 (jap.: man, chin.: màn) hat mehrere Bedeutungen, laut Langenscheidt zumindest “überfließen / überlaufen”, “frei / befreit / zwanglos” und “überall / grenzenlos”. Jede der drei Übersetzungen kann man eigentlich als recht passend bezeichnen…
[漫 (màn) nicht mit 慢 (màn) verwechseln! Letzteres bedeutet "langsam"!]
Interessant ist hierbei, das Manhua in Taiwan und Hongkong 漫畫 (màn huà) geschrieben wird, da in diesen beiden Regionen die traditionellen Zeichen verwedent werden. Japan, eigentlich auch eher ein Verwender traditioneller Zeichen, verwendet hier aber das reformierte 画.
In Japan sind Manga sehr beliebt, sogar ein wichtiger einheimischer Industriezweig. Sehr viele Manga (wenn nicht die meisten) werden ausschließlich für den heimischen Markt produziert und nicht exportiert. Manga haben verschiedene Zeichenstile (auch, wenn der Zeichenstil von z. B. Salor Moon vielleicht der bekannteste ist und um so merkwürdiger erscheint, da die Geschichten meistens in Ostasien spielen, die Figuren aber so gar nicht wie Ostasiaten aussehen).
Sogar viele Anwälte, Manager, Ärzte, Lehrer usw. lesen Manga unterwegs oder in der Pause. Dies unterscheidet sich schon enorm von der Einstellung unserer Gesellschaft zu Comic-Heften, diese gelten hier eher als “Kinderkram”.
Comics aus Fernost sind in Deutschland daher auch viel weniger bekannt. Sicherlich gibt es so einige Fans in Deutschland und der restlichen westlichen Welt, dem “Otto Normalverbraucher” sind sie aber eher unbekannt. Bekannt sind hier vor allem die zahlreichen Zeichentrickserien und -filme aus Japan, die Anime (Animation). “Anime” bzw. “Animation” ist offensichtlich kein aus China oder Japan stammendes Wort und wird daher in Japan in Katakana geschrieben, nämlich アニメ (a ni me) oder seltener アニメーション (a ni mē sho n).
In China werden Zeichentrickfilme bzw. Anime Donghua 动画 (dòng huà) genannt, in Taiwan und Hongkong mit den traditionellen Zeichen 動畫 geschrieben. Beide Zeichen heißen zusammen “bewegte Bilder”, sicherlich nicht untreffend.
Übrigens kommen die meisten Manhua und Donghua aus Hongkong und Taiwan, die Produktionen aus dem Festland China nehmen aber weiter zu und bald zahlenmäßig überwiegen.
Da die japanischen Comics und Zeichentrickfilme sich sehr früh verbreitet und international durchgesetzt haben (neben Japan gilt nur noch die USA als vergleichbar große Zeichentrickschmiede), ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch die künftigen chinesischen (und koreanischen) Comics und Trickfilme als Manga bzw. Anime bezeichnet werden. Ich widersetze mich diesem Trend auch gar nicht und rede selbst nur noch von Manga, Manhua und Anime, wobei mit letzterem (wenn nichts Anderes hervorgeht) alle chinesischen, koreanischen und japanischen Trickfilme gemeint sind.
Die Anime sind nichts anderes, als die filmerische Alternative zum Comic. Viele Geschichten werden nur als Comic oder nur als Film (bzw. Film-Serie) erzählt, oft aber folgt auf ein erfolgreiches Comic auch ein Film oder umgekehrt.
Die Anime behalten den Stil der Comics meistens bei und sind somit wiederum so stilverschieden wie die Manga bzw. Manhua selbst.
Ich selbst sehe mir gerne einige Anime an. Unter den japanischen Anime beispielsweise “Die letzten Glühwürmchen 火垂るの墓“, “Ghost in the shell 攻殻機動隊“, “Elfenlied エルフェンリート” oder auch “Karas 鴉“.
Die chinesischen Varianten sind auf dem Vormarsch, auch wenn sie noch lange nicht die Bekanntheit, Verbreitung und Kult haben, wie die japanischen Anime/ Manga. Es gibt schein einige interessante chinesische Anime, ein paar Links zu mehr oder weniger erfolgreichen Manhua/ chinesischen Anime:
Qin`s Moon 秦时明月
Sparkling Red Star 闪闪的红星 孩子的天空
The dreaming girl 梦里人
Manche Anime/Manga/Manhua sind etwas sehr mit nationaler Propaganda durchsetzt, gerne stellen die Geschichtenerzähler bzw. Zeichner (und das sind in Japan die Mangaka, in China die Manhuajia) ihr eigenes Volk in die Opferrolle (was aber eigentlich nicht verwerflich ist, wie ich finde). So zum Beispiel im japanischen Anime “Die letzten Glühwürmchen” oder im chin. Anime “Sparkling Red Star”. Besonders die chinesischen Geschichten, egal über welches Medium (Comic oder Film) sie übertragen werden, stehen leider immer noch unter enger, staatlicher Kontrolle und sind daher auch nicht ganz frei von Propaganda, einige (allerdings wenige) Geschichten scheinen sogar den reinen Zweck der Propaganda zu erfüllen.
Mein Tipp an die Leser der Manga/Manhua und Anime: Diese Medien sind eine sehr gute Quelle zum passiven Sprachenlernen. Die Sprache ist meistens leicht bis mittelmäßig schwierig und durchsetzt mit vielen kurzen Redewendungen und Smalltalk. Sowohl die Comics als auch die Filme/Serien sind für Fortgeschrittene wunderbar geeignet, um Chinesisch und/oder Japanisch zu lernen!
- Benny
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