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Demonstration von Vietnamesen gegen China

October 4th, 2011

Samstag den 1. Oktober 2011 haben in Berlin am Alexanderplatz in Deutschland lebende Vietnamesen gegen die jeweiligen kommunistischen Parteien in Vietnam und China demonstriert.

Die Demonstranten waren überwiegend ältere Vietnamesen. Diese haben eine harte Zeit hinter sich, viele davon waren wahrscheinlich Flüchtlinge. Ich will diese Demonstration gar nicht werten, jedoch sollte hinterfragt werden, ob die Aussagen auf dieser Demonstration sowie die Forderungen “Boykott giftiger Produkte aus China” so richtig und angemessen sind. Ohne Produkte aus China stünden wir im Westen ganz schön nackt da, außerdem bleiben viele internationale Unternehmen jetzt trotz steigender Löhne in China, weil das Know-How und die Qualität sich dort gerade enorm verbessert.

Vietnam macht nun eine ganz ähnliche Entwicklung durch, gilt jetzt schon als “das zweite China”.

Auf der Demonstration hieß es ferner: “Die vietnamesische Regierung ist feige gegenüber China, aber grausam zum eigenen Volk”. Es wurde nicht nur gegen die Volksrepublik China, sondern auch gegen die eigene kommunistische Partei Vietnams demonstriert.

Es ist jedoch nicht so einfach und schon gar nicht “schwarz” und “weiß”, die Geschichte ist kompliziert. In der Kurzfassung: Der Westen hat Vietnam ausgebeutet, woran Vietnam zerbrochen ist, es wurde sich aufgelehnt, eine Gegenhaltung geschaffen, welche den Westen bekämpft. Beide Parteien fühlen sich jedoch aus ihrer Sicht als “das Gute”.

Vietnamesen in Deutschland

Seit 1970 bewegten sich vietnamesische Auswanderer nach Frankreich, Deutschland und anderen europäischen Ländern.Viele Vietnamesen kamen als Flüchtling nach Westdeutschland, viele andere konnten in der DDR studieren. Wäre der Vietnamkrieg – sicherlich einer der brutalsten Kriege die es bisher gab – nicht gewesen, hätte Deutschland heute wohl kaum eine so große vietnamesische Community in den Großstädten.



Laut dem statistischen Jahrbuch der Bundesrepublik Deutschland 2009 leben rund 85 000 Vietnamesen in Deutschland. Die wohl größte vietnamesische Gemeinde findet sich in Berlin, eine Stadt, die vor vietnamesischen Restaurants sowie vor von Deutschvietnamesen betriebenen Bubble-Tea-Läden, Sushi- und China-Restaurants nur so wimmelt.

Man hört immer wieder von Integrationsproblemen, dies gilt nicht jedoch für Deutschvietnamesen, denn diese sind nicht nur nach Statistik, sondern auch wenn man sich die Situation mal mit eigenen Augen in Berlin ansieht, bestens integriert. Selbst diejenigen Deutschvietnamesen, die nicht gerade Bundesminister für Wirtschaft und Technologie sind, schlagen oftmals eine akademische Laufbahn ein und befüllen keine Arbeitslosenstatistik. Positiv erwähnt werden darf auch, dass vietnamesische Unternehmer hier Arbeitsplätze schaffen – Unternehmertum ist unter Vietnamesen wie auch unter Chinesen Ehrensache.

Vietnamkrieg

Der Vietnamkrieg war ein Schlachtfeld im globalen kalten Krieg, bei dem sich der kapitalistische Westen und der kommunistische Osten gegenüberstanden. Während die Hauptkontrahenten die USA und Sowjetunion ohne ausgeuferte Konflikte davon kamen, gab es anderorts große Kriege, wie in Laos, Kambodscha, Korea und Vietnam.

Wie auch beim (im Westen) weniger bekannten Koreakrieg, stemmte sich beim Vietnamkrieg der kommunistische Norden gegen den liberalen Süden. Zu einfach macht sich der Westen es sich jedoch, wenn hier einfach nur (wie während des kalten Krieges üblich) das Gute (der liberale Westen) dem Bösen (der kommunistische Osten) gegenübergestellt wird.

Die Franzosen und Japaner kamen im 19. Jahrhundert nach Vietnam, nicht um liberale Ideologien in das Land zu bringen, sondern um Kolonialherrschaftsansprüche zu stellen und das Land ausbeuten zu können, wobei indirekt (Hunger und Versklavung) und direkt (spätere Schlachten) unschuldige Vietnamesen umkamen. Die Franzosen wurden von den Japanern vertrieben, die wiederum mit der Kapitulation Japans 1945 aus Vietnam vertrieben wurden. Erst dann spielte die vietnamesische Bevölkerung eine nennenswerte Rolle auf dem vietnamesischen Festland. Frankreich beharrte auf seine Kolonie in Vietnam, bot sich jedoch immer auch wieder als ein Partner an, um die Infrastruktur in Vietnam zu modernisieren. Die vietnamesische Bevölkerung wollte dies jedoch nicht hinnehmen, was 1946 den Vietnamkrieg (Indochinakrieg) mit der Bombariderung der Hafenstadt Hải Phòng durch die Franzosen einleitete.

Der Vietnamkrieg war alles andere als eine nationale Angelegenheit. Auf dem Rücken Vietnams wurde ein eiskalter Krieg geführt. Die Franzosen bildeten zusammen mit vietnamesischen Mitspielern, Großbritannien und den USA eine südliche Gegenregierung gegen die nördliche Ho Chi Minhs (Kommunisten) Demokratische Republik Vietnam (die mit Demokratie allerdings auch nicht mehr gemein hatte, als die Demokratische Republik Nordkorea). Die nördlichen Kommunisten wurden später von China und der Sowjetunion finanziell und militärisch unterstützt.

Grund genug für die USA, selbst in den Krieg zu treten, denn die Franzosen (welche bereits finanzielle Unterstützung von den USA erhielten) beschlossen 1954 die koloniale Herrschaft in Vietnam aufzugeben. Es blieben in Südvietnam jedoch Vietnamesen, welche sich weiterhin gegen den kommunistischen Norden auflehnten. Denn auch, dass der chinesische Bürgerkrieg während und nach der Besetzung Chinas durch Japan von den chinesischen Kommunisten gewonnen wurde, war den USA schon ein Dorn im Auge. Mit Vietnam (und Korea) sollte nicht derselbe Weg eingeschlagen werden.

Die USA unterstützte Südvietnam und trat 1965 dann mit eigenen Truppen in den Krieg ein. Der Krieg wurde 1973 verloren, der kommunistische Norden hatte den Krieg gewonnen. Da noch davor der Koreakrieg für beide Seiten (Nordkorea mit China und der Sowjetunion im Hintergrund vs Südkorea mit den USA als Unterstützer) keinen echten Sieg brachte, war der Verlust im Vietnamkrieg für die USA bitter.

Vietnam wurde schließlich 1976 unter den Namen Sozialistische Republik Vietnam wiedervereint und wird noch heute von einem Einparteien-System der Kommunistischen Partei Vietnams geführt.

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