Zhuyin Fuhao 注音符号

Benny October 8th, 2008

Zhuyin Fuhao, in chinesischen Zeichen: 注音符号 (Pinyin: zhùyīn Fúhào), kurz einfach Zhuyin, ist ein Schriftsystem im Sinne einer phonetischen Transkription für Chinesen. Denn auch Chinesen haben so ihre Probleme die Aussprache eines ihnen unbekannten Wortes zu erfassen. Worte sind in Chinesisch in ein oder mehrere Zeichen verpackt, die Aussprache geht aus den Zeichen jedoch generell nur ansatzweise hervor.
Zhuyin wird seltener auch Bopomofo (Pinyin: Bōpōmōfò) genannt.

Zhuyin ist damit eine Hilfsschrift, die nicht als alleinige Schrift fungiert. Da Zhuyin anders als z.B. Pinyin nicht (oder zumindest nicht primär) dazu dient, Ausländern die chinesische Sprache näher zu bringen und Zhuyin auch nicht versucht, die chinesische Sprache mit einem fremden Alphabet (z. B. das lateinische Alphabet, wie bei der Romanisierung mit Pinyin) wiedergeben zu können, handelt es sich bei Zhuyin nicht um eine Umschrift. Zhuyin verwendet einen eigenen Zeichensatz, welcher extra für Zhuyin entworfen wurde.

Die Zeichen 注音符号 werden beispielsweise mit ㄓㄨˋ ㄧㄣ ㄈㄨˊ ㄏㄠˋ umschrieben, ausgesprochen dann genauso wie man es gewohnt durch Pinyin (also: Zhùyīn Fúhào) tun würde. Die Zhuyin-Zeichen haben selbst keine Bedeutung, sondern übertragen nur die Aussprache.

Diese Zeichen der Silbenschrift Zhuyin haben Ihren Ursprung in den chinesischen Zeichen; Zhuyin basiert auf sehr stark vereinfachte chinesische Zeichen (diese haben allerdings nichts mit der allgemeinen Schriftvereinfachung der VR China zu tun!).
Das Konzept einer eigenen Hilfsschrift, die nicht den Zweck einer Romanisierung hat, haben aber nicht die Chinesen selbst entwickelt, sondern die Idee von den Japanern übernommen. Die Japaner haben bereits ab dem 9. Jahrhundert, also wesentlich früher als Chinesen mit Zhuyin begonnen haben, die Silbenschriften Hiragana und Katakana entworfen (und sich dabei auch an chinesischen Zeichen orientiert). Hierbei muss man aber berücksichtigen, dass Japaner die Silbenschriften wirklich nötig hatten ( warum das so ist, ist wiederum ein anderes Thema und erfordert etwas Hintergrundwissen über die japanische Sprache).

Chinesisch hat eine Silbenschrift zwar nicht so bitter nötig wie Japanisch, aber eine Silbenschrift ist für alle Chinesen, besonders aber für junge Chinesen und Lerner der Sprache, sehr nützlich.

Zhuyin basiert, anders als Pinyin, nicht auf einem lateinschriftlichen Alphabet und demonstriert somit geistige Unabhängigkeit von dem Westen mit seinen lateinschriftlichen Schriftsprachen. Genau dies war wahrscheinlich auch einer der Hauptgründe, extra ein neues Schriftsystem, nämlich Zhuyin, zu entwerfen, obwohl es auch damals schon Hilfs-/Umschriften mit lateinischem Alphabet gab.

Zhuyin wurde erst ab 1920 regulär in China als Hilfsschrift für Hochchinesisch gebraucht und schon nach weniger als 40 Jahren wieder durch Pinyin als offizielle Hilfsschrift abgelöst. Taiwan führte Zhuyin erst wesentlich später ein, verwendet diese Umschrift dafür aber bis heute noch in Schriftwerken, Computern und Mobilfunkgeräten.

Zhuyin wird von noch unerfahrenen Lernern der chinesischen Sprachen oft mit Japanisch verwechselt. Tatsächlich sind einige wenige Zeichen der drei Schriftsysteme (Zhuyin auf chinesischer, Hiragana und Katakana auf japanischer Seite) leicht zu verwechseln.

Auch Lerner, die sich nicht diese drei Silbenschriften aneignen möchten, können diese Schriften mit etwas Training schnell voneinander zu unterscheiden lernen, in dem die Schriftbilder etwas genauer betrachtet werden.

Kurzer Vergleich der Schriftbilder dieser drei Silbenschriften:

ひらがな – hiragana
カタカナ – katakana
ㄓㄨˋ ㄧㄣ ㄈㄨˊ ㄏㄠˋ – zhùyīn Fúhào

Für jemanden, der sowohl die japanischen Silbenschriften Hiragana und Katakana als auch die Silbenschrift Zhuyin Fuhao kennt, sind diese Schriftbilder hingegen recht einfach voneinander zu unterscheiden, da die meisten Zeichen nicht zu der Schnittmenge dieser drei Schriftsysteme gehören.

Nur einige wenige Zeichen aus diesen unterschiedlichen Schriften sind mehr oder weniger leicht zu verwechseln, besonders die folgenden Zeichen provozieren eine Verwechselung gerade zu:

かさろるく (aus Hiragana)
アメヌムコセサイカ (aus Katakana)
ㄕㄨㄆㄋㄈㄌㄙㄑㄝㄡㄔㄜ (aus Zhuyin)

Wenn man diesem Link folgt, gelangt man zur einer Webseite, mit der chinesische Zeichen in Zhuyin Fuhao umgewandelt werden können (hilft sehr beim Lernen von Zhuyin).

Praktischer Nutzen von zhùyīn Fúhào:

Zhuyin wird heute noch in Taiwan für viele Medien als Hilfsschrift verwendet. So gibt es etwa Kinderbücher mit Zhuyin und Schreibsysteme zum Eintippen von chinesischen Zeichen für Computer und Mobilfunkgeräte.

Auch die Anordnung der Zhuyin-Silben zu den chinesischen Zeichen (漢字) folgen einem Schema, welches bereits vorher in Japan bekannt war und dort als Furigana bezeichnet wird. Furigana bringt chinesische Zeichen (漢字), in Japan Kanji genannt, mit den Silbenschriften (i.d.R. Hiragana) zusammen.

Furigana bestehen aus der Hilfsschrift und chinesischen Zeichen, wobei letztere gegenüber der Hilfsschrift in ihrer Größe dominieren. Die Silben der Hilfsschrift stehen bei horizontaler Schreibrichtung über, bei vertikaler Schreibrichtung neben den chinesischen Zeichen.

Zhuyin kann die chinesischen Zeichen (漢字) allerdings nicht ersetzen. Zwar können Sätze, die ausschließlich mit Zhuyin geschrieben wurden, durch (gedankliches) lautes Vorlesen verstanden werden, die Sätze können dabei aber mehrdeutig werden, so dass ein eindeutiges Verständnis komplexer Sätze schwierig ist.
Theoretisch könnten Chinesen zwar einen Roman oder ein Fachbuch, welches nur mit Zhuyin geschrieben wurde, lesen, dies ließe sich allerdings nicht nur sehr schwierig verstehen, auch ist das Leseverständnis nur mit Anstrengungen verbunden und wesentlich langsamer zu lesen, als ein Text mit chinesischen Zeichen (漢字).

Dieses Problem trifft neben Zhuyin auch auf Pinyin und alle weiteren Hilfsschriften zu.

Und auch Japaner haben das Problem, dass sie komplizierte Texte komplett in einer oder beiden Silbensprachen (Hiragana, Katakana) nur schwer verstehen können.

Ganz ohne chinesische Zeichen geht es also nicht, jedenfalls nicht bei Chinesisch und auch nicht bei Japanisch.

Töne in zhùyīn Fúhào:

Während bei den Hilfsschriften mit lateinischem Alphabet (die bekannteste ist das vielerwähnte Pinyin) die Töne meistens über der Schrift bzw. über den Buchstaben mit Strichen (oder ersatzweise neben den Silben mit Zahlen) gekennzeichnet werden, werden die Töne bei Zhuyin mit Strichen nach jeder Silbe gesetzt.
Dafür stehen die folgenden Markierungssymbole bereit:

˙ ´ ˇ `

Für keinen Ton wird der Punkt ˙ (z.B. für 吗, Zhuyin: ㄇㄚ˙), für den zweiten Ton der steigende Strich verwendet (z.B. für 明, Zhuyin: ㄇ一ㄥ´).
Für den dritten Ton, wird der fallend-wiederaufsteigende Strich verwendet (z.B. für 我, Zhuyin: ㄨㄛˇ) und der vierte Ton wird mit dem fallenden Strich angezeigt (z.B. für 做, Zhuyin: ㄗㄨㄛ`).

Eine Besonderheit gegenüber Pinyin u.a. stellt der erste Ton dar, denn dieser wird gar nicht angezeigt. Eine Silbe, die in Zhuyin geschrieben wurde und keinen Punkt oder Strich hat, wird mit dem ersten Ton ausgesprochen.

Diese Art der Tonmarkierung ist für eingesessene Pinyin-Nutzer etwas gewöhnungsbedürftig.

Zhuyin vs Pinyin

Pinyin ist wie Zhuyin eine Hilfsschrift um die Aussprache von Hochchinesisch wiedergeben zu können. Außerdem ist, da Pinyin auf dem lateinischen Alphabet basiert, auch eine Umschrift, um chinesische Wörter (Zeichen) mit den Buchstaben der westlichen Welt darstellen zu können.

Zhuyin wird heute aktiv nur noch in Taiwan verwendet. Gegenüber Zhuyin hat Pinyin den Vorteil, die lateinischen Buchstaben zu verwenden. Das lateinische Alphabet verwenden (mit nur wenigen spracheigenen Buchstaben, wie ñ, ä, ö, ü, ß usw.) die westlichen Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugisisch, Niederländisch, Deutsch, Dänisch, Schwedisch und einige mehr.

Mit der Durchsetzung von Pinyin als Standard zur Hilfsschrift werden die chinesischen Muttersprachler zum Einen mit den Buchstaben der westlichen Welt vertraut gemacht, zum Anderen finden auch westliche Lerner auch besseren Zugriff auf die chinesische Sprache.

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