Ergebnisse für 'Japan'

Die Sonne geht unter, im Land der aufgehenden Sonne

March 28th, 2011

Japan ist gebeutelt, mehr als ich mir vor ziemlich genau einem Jahr – als ich japanischen Boden betrat – hätte ausmalen können. Auch damals schon kamen mir Sprüche wie “Das nächste große Beben kommt bestimmt, wir sind überfällig!” entgegen und ja, ich hatte davon gelesen. Was im März passiert ist, ist aber nochmal eine ganz andere Geschichte.

In Tokyo 東京 schwankten die Häuser und kippten Regale um, Parks wurden geschloseen und einige Gebäude – wie der Tokyo Tower – sollen merkliche Schäden davongetragen haben. Das ist aber gar nichts, im Vergleich zu dem, was an der Küstenregion von Sendai 仙台 und Fukushima 福島 passiert ist. Das Beben, welches sein Epi-Zentrum einige Kilometer entfernt im pazifischen Ozean hatte, mag beinahe ganz Japan erschüttert haben (angeblich soll es ja sogar noch in Shanghai 上海 ganz minimal spürbar gewesen sein), die richtige Katastrophe kam dann aber direkt aus dem Ozean: die Tsunami 津波

Die gesamte Ostküste von Tōhoku (東北, nördlichste Region der Hauptinsel Japans) ist betroffen, hat Menschen, Tiere, Häuser und Infrastruktur weggespült und sehr viel Tod und Leid über die Betroffenen gebracht. Nur scheint dies die westlichen Medien gar nicht mehr so zu interessieren, denn diese Naturkatastrophe wird (zumindest für deutsche Medien) von einer ganz anderen Katastrophe aus dem Atomkraftwerk Fukushima Nummer 1 福島第一 in den Schatten gestellt. Continue Reading »

Die Katastrophe – Erdbeben, Tsunami und Kernschmelze

March 13th, 2011

Freitag 11. März 2011 - ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird – zwischen 14:00 und 15:00 Uhr Ortszeit in Japan fing es an, ein sehr starkes Erdbeben.

Ich hatte gerade einen Termin mit einem Prof. an der Hochschule, als ich kurz darauf erstmals über Facebook von meinen früheren Kollegen und Freunden in Japan davon erfuhr. Erschien mir aber beim ersten Eindruck als ein starkes, jedoch nicht besonders schlimmes Erdbeben, was sich schnell als falsch herausstellte, nachdem ich die Videos über die wackelnden Hochhäuser in Shinjuku 新宿 sah.

Mir stellte sich die Frage, ob das nun das große Erdbeben gewesen ist, vor dem Japan so lange gezittert hatte? Experten meinen, dass es das noch nicht gewesen ist, denn das Epizentrum ist zu weit von der Kanto-Region (in der Tokyo liegt) entfernt. Noch im September 2010 habe ich selbst eine Übung für eine Evakuierung des Werksgeländes erleben dürfen.

Die nächste Horror-Meldung ließ nicht lange auf sich warten: Tsunamis fraßen sich teilweise bis hinter die Hafenregionen hinein. Tokyo 東京 ist noch sehr gut davon gekommen, da fast gar nicht von Tsunami-Wellen betroffen (dank der Bucht), Sendai 仙台 hingegen scheint zu einem Großteil zerstört zu sein und ganze Dörfer in der nordöstlichen Küstenregion sind platt, mit allen Häusern, Autos, Menschen und Tieren. Glücklicherweise konnte (im Gegensatz zum Erdbeben) früh vor Tsunamis gewarnt werden.

Nicht viel später das nächste Desaster: Zwei japanische Kernkraftwerke der Region Fukushima 福島 machen Probleme. Die Kernschmelze wurde bis zum Samstag noch überwiegend abgestritten, jetzt (Sonntag) scheint sie sicher zu sein, und das nicht mal nur in einem Reaktor, sondern gleich in mehreren.

 

Besonders die Zerstörung in Sendai macht mir etwas zu schaffen, ich war in Sendai und dem benachbarten Matsushima für ein paar Tage, bin dort am Strand entlang spaziert und bin sogar im Meer geschwommen, welches sich nun gegen die Stadt gerichtet zu haben scheint.

Es bleibt abzuwarten, wie es weiter geht. Es gibt noch mehr Warnungen für Erdbeben, Tsunamis und nukleare Probleme in Japan. Wir stehen bereits bei 10 000 Toten, noch vielen Vermissten und haben eine ungewisse Lage bei den Atomkraftwerken… Die japanischen Medien liefern hier nur ungenaue und teils widersprüchliche Informationen.

Erdbeben – Chin.: 地震 dìzhèn ; Jap.: 地震 じしん
Tsunami – Chin.: 海嘯 [海啸] hǎixiào; Jap.: 津波 つなみ
Kernschmelze – Chin.: 堆芯熔毁 [堆芯熔毁] duīxìnrónghu; Jap.: 炉心溶融 ろしんようゆう

Work & Travel – Japan – China – Machbar und sinnvoll?

February 23rd, 2011

Work & Travel ist ein Konzept für Urlaub in Kombination mit Arbeitserfahrung im Ausland. In diesem Artikel wird auf Work & Travel in Japan und China eingegangen.

Work & Travel in Japan

Work & Travel! Das klingt doch fantastisch! Man braucht kein großes Startkapital, sondern kann gleich mit dem Urlaub beginnen! Oder doch nicht? Was meint das „Work“ in „Work & Travel“?
Es ist Auslegungssache. Es gibt Reisende, die mehr Work als Travel haben, genauso wie umgekehrt.
Es gibt in der Tat viele Länder, für welche sich Work & Travel (bzw. Working Holiday) ausgezeichnet eignet, beispielsweise in der „Hire and Fire“-Nation USA oder in einigen lateinamerikanischen Ländern. Aber in Japan?
Im Gegensatz zur VR China ist Work & Travel in Japan möglich. Es gibt ein entsprechendes Visum, welches die Aufnahme einer bezahlten Arbeit ermöglicht, und zwar für maximal ein Jahr.

Japan ist eine Arbeitsnation mit strengen Regeln

Die Probleme in Japan mit Work & Travel sind eher praktischer Natur. Wer in Japan lebt und arbeitet, geschweige denn sich selbstständig macht (was im Rahmen von Work & Travel selbstverständlich nicht geht), wird schnell erfahren, dass Japan kaum weniger bürokratisch als Deutschland ist. Einige Jobs (in der Unterhaltungsbranche u.a.) dürfen nach Art und Umfang im Rahmen des Visums für Working Holiday auch gar nicht ausgeführt werden, hier muss man sich gut informieren! Continue Reading »

Tokyo Tower 東京タワー

February 11th, 2011

Er ist noch das Wahrzeichen Tokyos und hat noch den höchsten (im wahrsten Sinne des Wortes) Besucheransturm in Tokyo: Der Tokyo Tower 東京タワー

Er wurde errichtet als ein Symbol des wirtschaftlichen Aufstieg Japans, angelehnt an den französischen Eifelturm. Der Tokyo Tower ist zwar noch einen Pippiklacks höher als der Eifelturm, wirkt jedoch nicht ganz so groß im Verhältnis aus Breite und Höhe, sondern eher schmal und zierlich. Auch der Farbanstrich kommt nicht an den klassischen Look des Eifelturms heran. Der Tokyo Tower in Japan sollte aber auch nicht einfach nur eine Kopie des Eiffelturms werden, sondern hatte seine Form aus Gründen der Erdbebensicherheit. Zum Zeitpunkt der Erbauung 1959 waren die Hochbau-Konstruktionen in Japan, wegen der Angst vor Erdbeben und dem damaligen Stand der Technik, noch sehr viel vorsichtiger gestaltet.

Tokyo Tower in Japan

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Allzweckreiniger aus Japan

December 28th, 2010

Ich konnte den angebrochenen Allzweckreiniger namens マイペット “maipetto” einfach nicht in Japan zurücklassen. Es mag sinnfrei klingen, aber dieser Allzweckreiniger aus Japan hat es uns wirklich angetan, am liebsten würden wir noch ein paar Flaschen davon importieren. Es stinkt nicht, abgesehen von einem Hauch desinfizierend wirkendem Alkohol, und reinigt einfach alles. Ob Metall, Holz, Glas oder Kunststoff, es macht fein sauber ohne zu schmieren – wir haben bislang kein vergleichbares Produkt in Deutschland gefunden!

Immer wenn ich die Flasche マイペット in der Hand halte, komme ich nicht drum herum, die Gebrauchsanweisung zu lesen. Man hat ja sonst schon so wenig Kontakt zu Japanisch im Alltag, da darf man sich ruhig mal 10 Minuten mit der Rückseite von einem japanischen Allzweckreiniger beschäftigen ;-) Dabei steht dort eigentlich nicht viel, was man nicht auch von deutschen Reinigern kennen würde. Beispiele:

子供の手の届く所に置かない – Nicht an Orten aufbewahren, welche für Kinder(hände) erreichbar sind

使用後は手よく水で洗う – Nach Benutzung Hände waschen

目に入った時はこすらずすぐ流水で洗い流す – Wenn etwas in die Augen gelangt, unverzüglich unter fließendem Wasser ausspühlen Continue Reading »

Stempel statt Unterschrift – 判子

December 13th, 2010

Wenn man in Japan ein Bankkonto einrichten, einen schriftlichen Kauf- oder Mietvertrag eingehen möchte, wird man Bekanntschaft mit einem Stempel machen, welcher ursprünglich (als Idee) aus China kam, jedoch selbst in China kaum noch verwendet wird, in Japan jedoch wichtiges Tool im Tagesgeschäft ist.

Hanko

In Japan hat jede Familie und jedes (geschäftsfähige) Familienmitglied in der Regel einen 判子 Hanko. Dieser dient als Namensstempel und ist handgefertigt, damit individuell und jeweils ein Einzelstück. Es gibt diese Siegel in verschiedenen Formen, Farben und Größen sowie aus verschiedenen Materialien bestehend. Besonders ältere Familienmitglieder haben oftmals sogar zwei Hanko. Einen, für alltägliche Geschäfte (meistens ein kleiner und billiger Hanko), einen anderen, welches durch Registrierung speziell gesichtert ist und für größere Kauf- oder Mietgeschäfte verwendet wird, wie etwa einen Auto- oder Immobilienkauf.

判子 Hanko als Namenssiegel sind eigentlich recht neu, in der japanischen Geschichte. Denn erst zur Zeit der 明治維新Meiji-Revolution wurde es für jeden Japaner Pflicht, einen Namen anzunehmen und erst seit dieser Zeit wurden Namenssiegel interessant. Vorher waren 判子 Hanko eher ein Prestige-Symbol für Samurai (mit Exklusivrecht auf rote Sonderfarbe) sowie für Adlige.

Hanko-Siegel
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Harajuku 原宿

October 23rd, 2010

Harajuku 原宿 ist ein Stadtteil von Tokyo 東京. Eigentlich ist Harajuku kein richtiger Stadtteil, sondern nur ein Bahnhof 原宿駅 am Yoyogi-Park 代々木公園 auf der einen Seite, eine Shopping-Meile auf der anderen Seite. Harajuku ist der Lifestyle-Ort in Japan und einer der Trendsetter für ganz Ostasien. Hier finden sich viele verrückte Gestalten in ihren Kostümen. Cosplay (コスプレ, eine Wortkreation aus “Kostüm” und “Play”) nennt sich dieser Volkssport unter Jugendlichen.

In Japan ist vieles normal, was in Deutschland einfach nicht ginge. Den Geschäftsmann im Anzug, der in der U-Bahn Manga liest oder mit einer Spielekonsole (Sony PSP oder Nintendo DS) spielt oder die Bankangestellte, welche zur Arbeitszeit im Anzug seriös Kunden berät, sich aber jeden Sonntag in eine Manga-Figur verwandelt und sich als solche im Park präsentiert….. ja sowas wäre in Deutschland undenkbar, in Japan ist das gesellschaftlich weitgehend akzeptiert.

Zurück zu Harajuku. Harajuku ist ein Treffpunkt für Jugendliche am Wochenende. Hier kann Mode im jugendlich angesagten Styling, Kostüme, Kosmetik und Parfüm eingekauft werden. Das Viertel ist sehr bunt, wobei die kleine Straße, direkt vor dem Ausgang des Harajuku Bahnhofs der JR Yamanote-Line 山手線, das alles toppt. Insbesondere am Samstag zur Nachmittagszeit ist diese Straße extrem voll, was aber genau zu dieser verrückten Atmosphäre der Straße passt. Es ist dort nunmal chaotisch, bunt und jugendlich wild.

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