Benny August 24th, 2010
Der Fujisan 富士山 (nicht Fujiyama. “san” steht auch nicht für eine Person, sondern ist die On-Lesung von Chinesisch shān 山) ist die ideale Herausforderung für jeden Japanreisenden. Jaaa, das ist dieser Berg wirklich…
Du möchtest Japan mal vom aller höchsten, zu Fuß erreichbaren Punkt aus betrachten? Der Sommerhitze mal für eine Weile entkommen? Dich dabei sportlich betätigen und was zu erzählen haben für Daheim? Wunderbar! Ab zum Fujisan!
Jetzt muss nur noch Juli oder August sein, dann kann es losgehen. Hopp den Rucksack gepackt und ab geht es auf 3700 Meter Höhe.
Nein, Spitzhacke und Klettersteig darfst Du zu Hause lassen, dicke wandertaugliche Schuhe (denn der Boden ist steinig) und dicke Klamotten (denn dort oben ist es um 0°C kalt) reichen! Der Fuji ist ein großer, aber recht einfach zu besteigender Berg. Echte Bergsteiger würden sich beim Fuji, zumindest in der Wandersaison zwischen Juli und August, doch arg langweilen.
Beim Fuji bekommt man viel geboten, nämlich eine (für Bergsteiger-Laien) Herausforderung für´s Leben, eine Gelegenheit japanische Schimpfwörter auszuprobieren (nach dem Abstieg sitzen die neuen Wörter dann aber auch, garantiert!) und eine tolle Aussicht, sofern das Wetter mitspielt.
Spielt das Wetter nicht mit, hat man statt der tollen Aussicht dann einen schmierigen Vulkan, mit wechselhaften Regenschauern und starken Winden. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich es bis zum Gipfel gewagt hätte, wenn es (mehr als nur einen Schauer) geregnet hätte. Der Aufstieg sowie auch der Abstieg sind so anstrengend, dass man sich einfach manchmal hinsetzen muss, da führt kein Weg drum herum (im wahrsten Sinne des Wortes). Das Vulkangestein und der überall vorhandene Sand können echt ekelig werden, wenn es regnet.
Ist es sonnig, dann ist es andersrum. Der Fuji ist dann sehr staubig und man wird zwangsläufig eine Menge Staub und Sand mit nach Hause nehmen, ein Souvenier für den Staubsauger. Sonnenbrand gibts noch obendrauf (Tipp: Sonnencreme nicht vergessen und falls doch, sich dann mit Vulkanstaub einreiben. Nicht nur reich an Nährstoffen, sondern schützt auch vor UV-Strahlung und man sieht aus, als hätte man die totale Fuji-Erfahrung gemacht).
Jetzt mal ehrlich, der Fuji ist eigentlich kein Spaß. Es ist total bekloppt sich selbst auf den Berg zu zwingen, Stunde für Stunde. Man wird nur zum Knecht des eigenen Ehrgeizes. Alle diejenigen, die von keinen zehn Pferden auf den Berg raufgebracht werden können, sind keine Stubenhocker, sondern einfach normal im Kopf. Es gibt keine Seilbahn runter, kein Fahrstuhl (wer mich nun für bekloppt hält, kennt Japaner nicht, siehe z. B. den Fahrstuhl beim Wasserfall in Nikko 日光), dafür gibt es oben auf dem Gipfel und bei fast jeder Station Getränkeautomaten und auf dem Gipfel selbst dann noch eine Wetterstation (deren Spitze zugleich wirklich der höchste Punkt in Japan ist). Wenn man sich oben den Knöchel verstaucht oder was bricht, hat man gelitten.
Der Berg ist im Grunde auch hässlich. Von weiter Ferne und mit viel Schnee geschminkt sieht der Berg wunderbar aus, aber im Juli und August ist er dann nicht mehr so schön. Vom Nahen sieht er eher aus, wie eine Marslandschaft. Ungefährlich ist es auch nicht ganz auf dem Fuji. Den Berg versehentlich herunterkullern kann tödlich enden, zumindest ohne Komplettpolsterung und Bremsfallschirm. Steinschlag ist nichts Ungewöhnliches und kann ebenfalls ins Auge gehen (auf den Kopf reicht ja schon). Ach ja, der Vulkan schlummert auch nur, erloschen ist er nicht. Es ist ein aktiver Vulkan. Der letzte Ausbruch war schon ein Weilchen her, da hatten sich noch Samurai und Ninja gegenseitig auf dem Kieker. 1707 soll der Vulkan zwei Wochen lang gewütet haben. Alle 300 Jahre ungefähr soll er sich mal zu Wort melden…. Man brauch vielleicht also gar nicht mehr so viel Glück, dass der Fuji-Besuch mit einem spektakulären Feuerwerk aufgewertet wird. (Das Ausbruchsrisiko wird in Wahrheit als gering eingestuft)
Es ist nunmal ein Berg, ein sehr großer noch dazu und obendrauf eben auch noch ein Vulkan. Wenn der Berg überhaupt gar nicht anstrengend und gefährlich wäre, dann wäre er ja auch keine Herausforderung und nicht die Erfahrung wert. Wer verrückte Sachen gerne tut und mal eine Nacht im Juli oder August dafür zu opfern bereit ist, der sollte wirklich zum Fujigipfel hoch und sich auf ein kleines Abenteuer gefasst machen. Wer sein vieles Geld nicht bis zum Gipfel hinaufschleppen möchte und die Nähe zu Japanern sucht, der sollte in einer der Hütten auf dem Fuji rasten, so wie mein Kumpel, Kollege und Kommilitone Leon, dessen Erfahrungsbericht Einmal Hölle und zurück im Übrigen sehr lesenswert ist.
Der Weg hoch dauerte bei mir etwa 10 Stunden und runter 5 Stunden, wobei ich auch nicht der schnellste war (einige Japaner sind auf dem Rückweg an mir vorbei gehüpft, ich hoffe, die sind dann auch so heil unten angekommen, wie sie von oben gestartet sind). Beim Aufstieg war ich noch einer der Schnelleren, habe mir aber auch großzügige Pausen gegönnt. Die dünne Luft kann schnell Kopfschmerzen verursachen, es ist viel Trinken notwendig! Das darf keinesfalls vernachlässigt werden. Hier trägt man einfach 3 Liter Wasser nach oben oder aber man greift stattdessen tiefer in den Geldbeutel und kauft sich die 3 Liter auf dem Berg für 3000 Yen zusammen.
Der Abstieg war sowas wie ein langgezogener Abenteuerspielplatz, mit Seilen, an welchen man sich einem steinig, sandigem Boden entlangschleifen kann. Füße, Rücken und Kniee stehen unter Belastung und Schlafmangel verbessert die Stimmung auch eher weniger. Dabei und danach fühlt man sich so dreckig, dass man für eine Dusche richtig Geld zu zahlen bereit wäre. Es ist schon eine deftige Portion Galgenhumor notwendig, um die Tour zurück mit guter Laune bis zur 5. Station (erst dort ist die Busanbindung) zu überstehen.
Am Tag vor der Reise zum Fuji habe ich neue Schuhe gekauft (mit dicker Sohle und Polsterung, leider ohne Schweißabfluss für die Zeit bei 40°C in Tokyo zum Umsteigen), die wurden vom Abstieg (und keinesfalls vom Aufstieg!) sehr in Mitleidenschaft gezogen.
Nachfolgend nun einige bildliche Impressionen von der Besteigung des Fujisan.
In der Nacht konnte ich leider kaum Fotos machen, dazu fehlte mir leider das Stativ (welches ich aber wirklich nicht auch noch den Fujisan heraufschleppen wollte). Die Nacht war aber sehr schön, da sternenklar (und man sieht wohl kaum in einer solch dichtbesiedelten Landschaft so viele Sterne wie auf dem Fuji). Daher habe ich wenig Nachtfotos, obwohl die Nacht eigentlich am intensivsten in meiner Erinnerung geblieben ist.

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